Montag, 27. Oktober 2008

tag 1

ich bin um neun eingeschlafen. vor erschöpfung. mit kurzen unterbrechungen habe ich bis sieben schlafen können, wirre träume haben mich begleitet. du warst nirgends zu sehen.

du bist noch immer mein erster gedanke, wenn ich aufwache. ich fühle mich, als wären es jahre, seit wir uns nicht gesehen haben, dabei sind nicht einmal 24 stunden vergangen, seit wir vor meiner haustür geweint haben.

unter der dusche überkommt es mich dann wieder. ich finde mich hiloflos heulend wieder, nicht fähig irgendwas zu tun. wasser von oben, wasser aus den augen, meine knie geben nach. ich muss arbeiten, hämmert es mir im kopf. ich kann nicht aufhören. nicht, nachdem ich mir creme ins gesicht schmiere, nicht, nachdem ich die linsen in die augen setze. ich stehe vorm spiegel und schreie mich an, flehe, mit dem heulen aufzuhören. ich kann nicht. immer wieder wische ich mir die augen mit dem kühlen wattepad ab und immer wieder kommen neue tränen. ich trage trotzdem wimperntusche auf. ein paar mal laut NEIN! meinem spiegelbild entgegenschreien und ich bin tatsächlich in der lage, mich fertig zu schminken.

draußen regnet es. ich fahre schwarz mit der bahn. meine bestellten sachen sind angekommen. sie sind zu groß und sehen scheiße aus. ich habe mich entschieden, sie zurückzusenden und gehe vor der arbeit noch zur post. ich bin gespannt, wann sie mir das geld zurücküberweisen.

im laden wartet mandy, die ich sehr mag. die hat auch schon jede menge scheiße in ihrem leben mitgemacht. aber sie guckt nach vorn, sie fasst dinge an und stellt sich der herausforderung. es nötigt mir größten respekt ab, dass sie ihr abitur an der abendschule nachgeholt hat und jetzt einen super schnitt von 2,4 hat. mandy ist lieb. ihr geht es gerade auch nicht gut. auch sie hat ein weggehen von einem menschen vor sich. sie erzählt. ich höre zu. und es tut gut zu wissen, dass andere menschen auch schmerzende herzen haben.

immer wieder muss ich daran denken, wie absurd es ist, dass zwei menschen die sich lieben so wie wir, eine zwangspause einlegen müssen. ich weiß, dass du eine andere lösung gefunden hättest und ich bin dir dankbar, dass du meinen weg mitgehst. ich bin erst kurz unterwegs und habe schon keine lust mehr. aber ich muss weiterlaufen, es wird besser werden, irgendwann. der gedanke, dass du mich nicht verlassen wirst, beruhigt mich.

ich hoffe, dass ich diese sicherheit, die ich bei dir habe, irgendwann instinktiv fühlen werde. ich bin mir immer noch unsicher, weil das noch nicht genug gewachsen ist, obwohl es größer und intensiver kaum sein könnte.

wenn das hier vorbei ist, will ich nie mehr weggehen. ich will nie mehr so traurig und ohne kontrolle sein. ich möchte mit dir keine angst mehr haben. ich will unser wir sicher fühlen. ich habe allerdings noch keine ahnung, wie das funktionieren soll. aber es wird, weil ich es will. zur not werde ich es erzwingen.

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